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Upgrade von SharePoint 2010 auf SharePoint 2013 auf derselben Maschine

Wir betreiben  intern seit einigen Jahren einen SharePoint 2010 Server mit Office Web Apps. Da nun bereits seit einiger Zeit SharePoint 2013 verfügbar ist und wir auch die neuen Features des SharePoint 2013 nutzen wollen, haben wir uns dazu entschlossen, unseren SharePoint Server upzugraden.

Microsoft empfiehlt hierzu den SharePoint auf einer neuen Maschine zu installieren, da ein in-place Upgrade von SharePoint 2010 auf Version 2013 nicht möglich ist. SharePoint 2012 unterstützt nur ein „database-attach“ Upgrade, d.h. ein Upgrade der Content-Datenbanken und einiger Konfigurations-Datenbanken.

Da uns aber kein neuer Server zur Verfügung stand, wagten wir die nicht empfohlene Variante, nämlich den alten SharePoint zu deinstallieren und danach den neuen SharePoint zu installieren.

Vorbereitung

Vor dem Upgrade empfiehlt es sich, Erfahrungsberichte im Web und Technet-Artikel zum Upgrade genau durchzulesen. Sehr hilfreich fand ich hier folgende Quellen:

Eine hervorragende Schritt für Schritt Anleitung für das DB-Attach Upgrade gibt es auf Microsoft Technet: http://technet.microsoft.com/en-us/library/cc303436(v=office.15).aspx

Ergänzend dazu kann dieser Blog empfohlen werden: http://blogs.msdn.com/b/alimaz/archive/2012/07/17/upgrading-from-sharepoint-2010-to-sharepoint-2013-step-by-step.aspx

Wichtig: Falls es SharePoint Web Applications gibt, die im Classic Authentication Mode konfiguriert sind, muss diese in den Claims Based Authentication Mode konvertiert werden, da SharePoint 2013 den Classic Mode nicht mehr unterstützt. Es gibt hierzu mehrere Wege die alle auf http://technet.microsoft.com/en-us/library/gg251985%28v=office.15%29.aspx beschrieben sind.

Da wir in unserem Web auch eine Classic Authentication Web Application hatten, habe ich mich schließlich für folgenden Weg entschieden: http://blog.armgasys.com/?p=275.
Durchgeführt wird dieser Schritt nach dem Upgraden der Content Datenbanken.

Es empfiehlt sich auch, Screenshots von Konfigurationen in der SharePoint Central Administration (Web Applications, Alternate Access Paths, Site Collections, …) und im IIS zu machen. Auch sollte hier unbedingt eine Sicherung der IIS-Metabase gemacht werden, was ich leider übersehen und die nachträgliche Zertifikats-Konfiguration sehr erschwert hatte. In der IIS-Metabase stehen unter anderem alle Port-, Host-Header und Zertifikats-Konfigurationen.

Sicherungen

Um im Falle eines Scheiterns der Upgrade-Prozedur wieder auf den SharePoint 2010 zurücksteigen zu können, war es wichtig, das bestehende System zu sichern.

Zunächst galt es, den Encryption Keys für die User Profile Service Application zu exportieren und die SecureStore Passphrase zu notieren: http://technet.microsoft.com/en-us/library/cc263026(v=office.15).aspx.


Am SQL Server aktivierte ich für alle upgrade-fähigen SharePoint-Content-DBs und einige Konfigurations-DBs den read-only Mode. Dies erreicht man mit Hilfe des SQL-Server Management Studios in den Eigenschaften der jeweiligen DB auf der Seite „Options“:

image001.png
 
Die genaue Liste der upgrade-fähigen SharePoint-DBs kann man diesemTechnet-Artikel entnehmen.

Danach machte ich vorsorglich ein Backup aller SharePoint DBs. Dieser Schritt diente rein zur Sicherheit, da unser SQL-Server auf einer eigenen Maschine läuft und für den SharePoint 2013 weiterverwendet werden soll. D.h. wir können dort die bestehenden SharePoint DBs direkt upgraden (ohne Backup / Restore).

In einer Site-Collection verwendete ich ein Custom Solution Package für Forms Based Authentication von CodePlex. Da es hier für SharePoint 2013 eine neuere Version gibt, wollte ich die alte Version vorher noch deinstallieren. Also die zugehörige Content-DB beschreibbar machen, danach das FBA Solution Package deinstallieren, die Content DB wieder auf read-only setzen und nochmals ein Backup Content-DB.

Nun erfolgte das Sichern der SharePoint 2010 Maschine. Da unser SharePoint 2010 in einer virtuellen Maschine am Hyper-V läuft, genügte hierzu ein Snapshot im Hyper-V.

Alten SharePoint deinstallieren

Da wir auf unserem Server auch die Office Web Apps installiert hatten, habe ich zunächst diese Applikation deinstalliert. Das Uninstall schlug jedoch fehl, da das Setup versucht, in die SharePoint-DBs zu schreiben, welche ich vorher read-only setzte. Also nochmals das read-only wegnehmen und das Uninstall lief ohne Fehlermeldungen durch.

Danach erfolgte das Deinstallieren des SharePoints 2010. Auch hier meldete das Setup keinen Fehler.

Ich benannte daraufhin das übriggebliebene SharePoint 14er-Verzeichnis (C:\Program Files\Common Files\Microsoft Shared\Web Server Extensions\14) um auf „14.old“. SharePoint 2013 legt neben dem neuen 15er Verzeichnis auch noch ein 14er-Verezeichnis für übernommene SiteCollections im Compatibility Mode an.

Im IIS ist mir aufgefallen, dass nach dem Deinstallieren des SharePoint 2010 ein Web „SITE_2“ übriggeblieben ist. Nach kurzer Recherche im Web fand ich hierzu diese Diskussion. Ich habe daher dieses Web im IIS einfach gelöscht.

Installieren von SharePoint 2013

Nun habe ich das SharePoint 2013 Installations Medium für die virtuelle Maschine als DVD gemountet und das Setup gestartet. Beim Installieren der Prerequisites gab es dann das erste Problem: Das Setup bricht mit dem Fehler „Error when enabling ASP.NET v4.0.30319“ ab.
.NET 4.5 ist auf dem Server installiert. Die Lösung zu diesem Problem fand ich hier.

Also folgendes Kommando absetzen:
%windir%\Microsoft.NET\Framework64\v4.0.30319\aspnet_regiis.exe -i –enable
und das Setup erneut starten. Diesmal liefen die Installation der Prerequistes und anschließend die Installation von SharePoint 2013 fehlerfrei durch.

Nach der erfolgreichen Installation von SharePoint 2013 habe ich alle „read-only“ Datenbanken mit Hilfe des SQL Server Management Studios wieder auf „read-write“ gesetzt.

Upgrade der Service Applikationen

Das Upgraden der Service Applications hat mit der Anleitung auf Technet wunderbar geklappt. Es empfiehlt sich, die im Artikel angeführten PowerShell-Kommandos gesammelt in eine Textdatei zu kopieren und die Platzhalter mit den tatsächlichen Werten zu ersetzen. Wiederkehrende Kommandos, deren Ergebnisse in eine Variable gespeichert werden, müssen nur einmal durchgeführt werden, sofern das PowerShell-Fenster zwischenzeitlich nicht geschlossen wird.

Upgrade der Content DB

Nach dem Upgrade der Service Applikationen erfolgte das Anlegen der Web Applikationen, welche es zuvor in SharePoint 2010 gegeben hatte. Ursprüngliche Classic Mode Web Applications müssen laut Anleitung auf http://blog.armgasys.com/?p=275 per PowerShell angelegt und konvertiert werden (siehe auch „Vorbereitung“).

Die von SharePoint angelegten Content Datenbanken habe ich gelöscht, da wir nun ja wieder unsere vorhergehenden Content Datenbanken verwenden wollen.

Nach Anlegen der Web-Applikationen erfolgte der Upgrade der ursprünglichen Content-Datenbanken. Auch das klappte mit der Anleitung auf Technet sehr gut.

Beim Upgrade-Check mittels PowerShell-Kommando „Test-SPContentDatabase“ gab es zwar Warnungen wegen nicht installierter WebParts, obwohl ich diese vor der Deinstallation der vorhergehenden SharePoint-Version entfernt hatte. Das Retracten der alten SharePoint-Solution-Packages hat offensichtlich Leichen in den Content-Datenbanken zurückgelassen. Zum Glück konnte der Upgrade der Content-Datenbanken trotz der Warnungen durchgeführt werden.

FBA Konfigurieren

Eine unserer Web Applikationen war in SharePoint 2010 für Forms Based Authentication konfiguriert. Diese Konfiguration muss nun für SharePoint 2013 wiederholt werden. Eine entsprechende Anleitung dazu findet man hier.

Die ursprüngliche ASP.NET Membership Datenbank kann hier natürlich weiterhin verwendet werden.

Auch für das SharePont FBA Package auf Codeplex gibt es eine erweiterte Version für SharePoint 2013. Diese Version hat bei mir jedoch nicht funktionier, da die Web Sites nach dem Upgrade noch im „Compatibility Mode“ liefen. Deshalb konnte ich in den Site-Settings die FBA Features nicht sehen.

Ich habe daher wieder das FBA Package für SharePoint 2010 eingespielt, damit die FBA-Funktionen und FBA-Webparts zur Verfügung stehen.

Visual Upgrade

Falls gewünscht, kann man nun das „Visual Upgrade“ durchführen, welcher die Web-Sites in das SharePoint 2013 Look & Feel überführt. Dieser Upgrade kann über die Site-Settings je Site Collection erfolgen.

Zu Beachten ist hier jedoch, dass es in SharePoint 2013 keine Meeting Workspaces mehr gibt. Hat man solche über den SharePoint Kalender angelegt, so sind diese Meeting Workspaces nach dem Visual Upgrade nicht mehr über das UI zugreifbar. Sie liegen aber nach wie vor in der Content Datenbank und können z.B. über Links in eine Web-Page eingebunden werden.

Aufgetretene Probleme

Nach dem Upgrade von SharePoint 2010 auf SharePoint 2013 beobachteten wir noch folgende Probleme auf dem Windows Server:

Application Pool:
Der IIS auf unserem Windows Server hostet neben den Webs für den SharePoint Server auch noch zahlreiche weitere Webs. Ein Web basierend auf PHP ließ sich nach der SharePoint Installation nicht mehr starten. Im Eventlog war zu erkennen, dass der Application Pool für dieses Web ständig mit einer wenig aussagekräftigen Exception-Meldung abstürzt. Nach einigen erfolglosen Reparatur-Versuchen habe ich den Application Pool gelöscht und neu angelegt. Damit war das Problem gelöst.

Windows Firewall:
Desweiteren beobachteten wir, dass SharePoint Webs, welche über das Internet zugreifbar sein sollen, nach dem SharePoint Upgrade aus dem Internet nicht mehr erreichbar waren. Anscheinend hat die Deinstallation des alten SharePoint Servers auch zugehörige Firewall Regeln entfernt. Ich musste die Firewall Regeln für den Zugriff aus dem Internet erneut einrichten.

Office Web Apps:
Office Web Apps 2013 können leider nicht auf dem Windows Server installiert werden, auf dem SharePoint installiert ist. Die Office Web Apps 2013 benötigen den IIS exklusiv für sich und können daher auch nicht auf anderen Servern, die den IIS benötigen, installiert werden (siehe hier).

Ist doch cool, oder?
Verfasst: 30.04.2014 09:36:08 von Roland Koller
Tags: SharePoint 2010, SharePoint 2013, Upgrade

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